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20.-30.März - Ewald´s Tagebuch


20. MÄRZ 2005 | Erste Panne
Abfahrt
Nachdem die allerletzten Arbeiten am Traktor und Wohnwagen verrichtet waren, fuhr ich von der Laßnitzhöhe Richtung Graz – in Graz St. Peter ca. 3 Kilometer  vor meinem Ziel, einen Tag vor dem eigentlichen Start bleibt Fergy einfach stehen.
Mitten auf der St. Peter Hauptstraße – hinter mir ein gewaltiger Stau. Ich probiere zu starten – nichts. Einige Ungeduldige hinter mir hupen, aber was soll ich machen, ich kann Traktor samt Anhänger, 2,5 Tonnen doch nicht schieben. Ein freundlicher Herr nimmt mich in Schlepptau und zieht das Gespann hundert Meter weiter, so das ich den Verkehr nicht mehr behindere.
Da ich ÖAMTC Mitglied bin, ruf ich dort um Hilfe. Eine Stunde später, wird mit Starthilfespray probiert, und beim ersten Versuch springt Fergy wieder an.
Der Grund des Problems kann nicht gefunden werden, doch der Herr vom Pannendienst tippt auf die Dichtung der Dieselpumpe. Diese schwitzt leicht und vielleicht wurde hier anstelle von Diesel, Luft angesaugt.


21. März 2005 | Abfahrt
Graz – Strassgang erster Stopp nach ca. 10 Kilometer, bei der Firma GADY.
Gady
Frage nach einer Dieselpumpendichtung. Von dort werde ich nach nebenan zur Firma Lukas  geschickt, und bekomme einen Dichtungssatz gesponsert. Zurück bei GADY wird Fergy die Dichtung ohne Wartezeit kostenlos gewechselt.
Der Boxenstopp dauerte eine Stunde 30 Minuten. Alle wünschen eine gute Fahrt, jetzt ist Fergy perfekt.
St.Veit
Weiter geht’s : Lieboch, Voitsberg, Köflach, Pack – schweinekalt, Klippitztörl – schweinekalt, in Eberstein suche ich eine Werkstatt auf, denn Fergy verliert eine Menge Motoröl, diese beruhigt mich und meint, so wie es tropft hat Fergy in einer Woche höchstens einen Ölverlust von einem halben Liter.
Ich schaffe es bis kurz nach St. Veit und verbringe die erste Nacht im Zelt. Gegen Mitternacht beginne ich zu frieren, am Morgen ist der Schlafsack feucht.


22. März | Feldkirchen, Villach
Kurzer Stopp beim ÖAMTC, lasse mir nochmals bestätigen, das der Ölverlust halb so schlimm ist, und ich die Reise ohne Probleme bewältigen kann.
Grenze: Traviso ca. 12 Uhr, damit ist die erste Hürde geschafft.
Alles läuft wie geschmiert, komme super voran, viel, viel schneller als gedacht. Mit dem Handgas fährt Fergy um mindestens 5km/h schneller, warum ist mir noch ein Rätsel.
Fahre zum ersten Mal mit Ohrenschutz – einfach wunderbar !!
Kurz vor Portogruaro wird es finster – ein Tankstellenstopp – 25 Liter Diesel, kontrolliere das Motoröl – oh SCHRECK !!!
Der Messstab zeigt, das Öl ist unterm Minimum 1,6 Liter sind zum Nachfüllen.
Das Problem scheint doch größer.
Schlage mein Zelt neben einer Müllhalde auf.
Rufe Tatjana an, wir brauchen eine Ölwannendichtung, ansonst ist der Trip bald zu Ende.
Bekomme das Telefonat geschenkt – grazia Italia!


23. März
Bin noch immer von der Geschwindigkeit fasziniert – Durchschnitt 20 km/h, wenn es das Ölproblem nicht gäbe, wäre ich überglücklich, denn Traktorfahren macht SPASS
die Strecke nach Afghanistan erscheint mir momentan gerade richtig zum einfahren – am liebsten würde ich rund um die Welt tuckern.
LKW
Vor Venedig nimmt der Verkehr empfindlich zu. Bis jetzt empfand ich mich nicht als Verkehrshindernis, doch nun versuche ich möglichst rechts zu bleiben, ich weiß auch nicht ob ich mich auf einer Autobahn befinde. Die Straße ist zweispurig, ich tuckere am Pannenstreifen dahin. Werde ich angehupt, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich gegrüßt oder beschimpft werde. Hunderte von Lkws donnern an mir vorbei, irgendwann muss der Verkehr doch nachlassen. Endlich zweieinhalb Stunden später habe ich es geschafft.
Große Städte mit einem Traktor zu durchqueren ist kein Spaß, Musik aus dem Walkman hilft mir dabei, den Höllenverkehr ein wenig zu vergessen.
Beim nächsten Tankstop rechne ich mir aus, das Fergy, falls das Ölproblem nicht schlimmer wird, 56 Liter Öl auf 7000 Kilometer brauchen wird.
Meine Geschwindigkeit begeistert mich noch immer, wenn ich so weiter rase, müssen wir eine Woche Urlaub in Italien verbringen, bis wir auf unsere Fähre können.


24. März
Schlafe mich so richtig aus, denn ich sollte langsamer werden, aber so voll Energie, was soll ich anderes machen – rauf auf den Fergy und Vollgas Richtung Rimini.
Befinde mich bereits in einer anderen Klimazone, alles grünt und blüht – Frühling im sonnigen Süden.
Heute fahre ich ohne Handgas, die Maschine läuft viel ruhiger. Ich stelle fest, das der Ölverlust dadurch deutlich geringer wird. Wieso und warum kann ich mir nicht erklären, darüber muss ich einen Mechaniker genau befragen.
Kurz vor Rimini lege ich mein erstes Überholmanöver hin.
Ich fahre im Windschatten eines dreirädrigen Mopedkleintransporters dessen Motor furchtbar  raucht. Versuche immer wieder das Gefährt zu überholen, aber auf der zweiten Spur donnern Lkws mit über 100 Sachen dahin. Wie lange werde ich für dieses Manöver wohl brauchen?
Plötzlich habe ich meine Chance, kein Fahrzeug im Rückspiegel zu sehen – Turbogas, den Handhebel bis zum Anschlag hinuntergezogen, die Straßenverhältnisse sind günstig, eine gerade, gute Straße, kein Gegenwind, somit sollte ich Fergys Höchstgeschwindigkeit von 27,5 km/h erreichen. Blinker raus und ab geht’s. Nach ca. einer bis ein einhalb Minuten habe ich es geschafft – ich bin vorbei. Schweißgebadet vor Angst , das mir auf zweiter Spur keiner mit 150 reinknallt.
Lasse Rimini hinter mir, die Städte fliegen nur so an mir vorbei.
In Cattolica beginnt es zu regnen, ich baue mein Zelt bei einer Tankstelle auf.


25. März
Es tröpfelt leicht, also bleibe ich liegen. Eigentlich wäre dies ein Tag zum pausieren, den bis Ancona sind es nur mehr an die 60 Kilometer.
Polizist
Ein Polizeiwagen fährt vor, ich werde gefragt wohin die Reise geht, die Polizisten können es kaum glauben, das Afghanistan mein Reiseziel ist. Ich zeige ihnen einen Zeitungsbericht als Beweismaterial. Das musste bildlich festgehalten werden, der Polizist, ich und der Zeitungsbericht auf einem Foto.

Am Nachmittag hörte es zu regnen auf, ich fahre die Straße am Meer entlang, dichte Wolken über mir, neben der Straße viele, viele Zäune, schöne Villen und jede Seitenstraße ist mit Verbotstafeln versehen.
Pesaro
Es scheint fast unmöglich einen schönen Platz zum wildcampen zu finden. Nach ca. 50 Kilometer fahre ich zurück zur Hauptstraße. Einen Kilometer vor Pesaro, auf einem Parkplatz mit Blick auf die Stadt und das Meer bewundert ein Bauer den Traktor. Ich frage ihn, ob ich nicht da unten auf der Wiese campen dürfe. Na klar, so habe ich endlich das, nachdem ich suchte, Natur und eine schöne Aussicht.


26. März
Nebel, nach dem Frühstück gehe ich in die Stadt. Pesaro ist nichts besonderes, vertrödle den Tag, laufe den Strand entlang. Es ist schwer bewölkt, zeitweise tröpfelt es – heute ist kein Tag zum fahren.


27. März
Es regnet, so wie es aussieht, hört es den ganzen Tag nicht auf. Es tröpfelt in mein Zelt, langsam wird alles naß, von Stunde zu Stunde wird es unbequemer. Es ist Mittag, seit über 18 Stunden liege ich im Zelt, warte bis es endlich aufreißt, ich sehe nur für Momente den blauen Himmel. Der Schlafsack beginnt sich vollzusaugen, mich fröstelt, es ist langweilig, das ganze Lesematerial befindet sich Wohnwagen, doch der steht noch in Graz.
Um 14 Uhr hört es endlich auf zu tröpfeln, um Zelt und Utensilien zu verstauen, benötige ich eine Stunde. Nach einer Stunde Fahrt beginnt es erneut zu regnen. Zum ersten Mal schätze ich Fenster und Regenblech am Fergy, ich werde kaum naß. Bei einer Pizzeria frage ich um einen Schlafplatz, genieße die erste italienische Pizza. Um den nassen Schlafsack zu entkommen, betrinke ich mich mit Wein, es hilft, ich schlafe wunderbar.


28. März
Noch immer ist es bewölkt. Trockne so gut es geht meine Sachen, befestige den Schlafsack hinten am Fergy mit Gummispannern und fahre nach Ancona. Der Hafen ist riesig, versuche das Office für eine Umbuchung der Fähre zu finden. Man sagt mir, das dieses nur am Samstag geöffnet sei.
Da ich kein Ticket für die Überfahrt bei mir habe, verlasse ich die Stadt. Zum ersten Mal auf der Strecke verfahre ich mich, versuche einen ganz besonderen Platz zu finden, wenn möglich mit Waschgelegenheit. Die Reise sieht man mir bereits an, und auch mein Geruch ist nicht mehr gesellschaftsfähig.
Es wird eine sehr lange Fahrt, an diesem Tag fahre ich über 100 Kilometer. Nach einem Telefonat mit Tatjana habe ich genug vom fahren. Parke mich auf einer Wiese ein, besuche einen sehr interessanten Markt mit hunderten von Marktständen, mit erstaunlicher Auswahl und Vielseitigkeit.


29. März
Versuche weiter eine Waschmöglichkeit zu finden. Die meisten Campingplätze haben noch geschlossen, aber beim dritten gelingt es mir.
Wäsche
Mache klar, das ich ein Wildcamper bin und dringend eine Dusche benötige, doch diese Erklärung wäre wohl nicht notwendig gewesen, denn man sieht und riecht es. Für 2 Euro darf ich den Luxus von Warmwasser genießen. Nebenbei reinige ich auch noch meine schmutzige Wäsche, und verstopfe das Waschbecken, damit sind die zwei Euro voll ausgenutzt.


30. März
Hafen
Fahre nach Ancona um zu telefonieren. Ingrid und Team sind noch einige Stunden entfernt. Der vereinbarte Treffpunkt am Hafen wird wegen dem Stadtverkehr nach Portonovo, südlich von Ancona verlegt.


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