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Peshy


Peshy jung
Die Wüste



Ziellos streiften wir durch die engen, unbekannten Gassen von Peschawar. Die Straßen der Näher, Flickschuster und Messerschleifer lagen hinter uns, als wir ihn im Vogelhändler Bazar sahen.
Ängstlich, in eine Ecke des Käfigs kauerte ein nasses Federknäuel, betrachtete uns mit seinen weisen, großen Eulenaugen. Hilflos, gefangen, um Rettung bittend.
Das stellte uns vor eine schwere Entscheidung. Können wir diesem Eulenjungen ein Leben in Gefangenschaft, im Käfig, oder beim Bein festgebunden an einen kurzen Strick ersparen? Oder den Tod? Denn für uns sah es so aus, als würde das Küken, unter den Bedingungen im Vogelgeschäft kaum die nächsten Tage überleben.
Gegen das Gefühl der sofortigen Rettung sprach, das wir keinerlei Erfahrung mit Vögeln hatten, außer einem Wellensittich in Ewalds Kindheit. Wir hatten keine Ahnung wie lange es dauert bis ein Eulenjunges sein Nest verlässt. Wir wussten nicht, wie lange wir uns genau in Nordpakistan aufhalten werden. Noch konnten wir uns ein Leben mit einer Eule auf engstem Raum im Jahmobil vorstellen.
Und dennoch, entschieden wir uns für die Rettung.

Vom Händler erfuhren wir, das wir nun "Besitzer" eines zwei Wochen alten, männlichen Exemplar einer kleinwüchsigen Eule waren, die mit Stücken rohen Fleisches gefüttert werden muss.
Jedes Stückchen gaben wir ihm mit einer Pinzette, Wasser tropften wir auf seinen Schnabel, damit er Flüssigkeit zu sich nahm. Anfänglich benutzte er seine Flügel, um das Gleichgewicht zu halten. Langsam, erst nach Tagen in denen er Kräfte sammelte, begann Peshy Pürzel zaghaft auf dem ausgelegten Zeitungspapier vor seinem Käfig hin und her zu hopsen.
Wir gaben dem kleinen Knäuel mit den großen Augen den Namen Peshy, abgeleitet von der Stadt Peschawar in der wir ihn fanden, Pürzel, für die vielen kleinen Häufchen die er hinterlies.

Die Wüste

Den Tag, während der Fahrt verbrachte Peshy schlafend in seinem Käfig. Das Lager für die Nacht, richteten wir ihm mit Zeitungen auf der Küchenplatte. Darunter befand sich auch der Herd, damit gestaltete sich das Kochen im Bus immer ein wenig schwierig.
Eines nachts schaffte es Peshy uns im Bett zu besuchen, er "überflog" den schmalen Durchgang zwischen Bett und Küchenplatte, hopste auf der Decke weiter, bis er unsere Köpfe erreichte, und zupfte mit seinem Schnabel an unseren Haaren.
Das störte bald regelmäßig unseren Schlaf, denn keiner wollte das ihm Peshy auf den Kopf "pürzelt".
Peshy zeigte nie ein wildes, scheues Verhalten. Vielmehr genoss er das Leben in seinem ungewöhnlichen Nest, mit den zwei komischen Riesen. Jedoch beschränkte er all seine Aktivitäten auf den Jahmobil Innenraum.

Wir wollten Peshy aber auf ein Leben draußen vorbereiten. Um ihn den Ausstieg zu erleichtern, damit er sehen kann, was am Tag der Eule, in der Nacht in freier Natur los ist, öffneten wir die dreieckige Luke des Hochdachs, Äste im Innenraum sollten Peshy den Aufstieg dorthin erleichtern. Wir setzten Peshy hinauf, doch er wollte nicht hinaus.
Eines nachts, tap-tap, hörten wir zum ersten Mal seine Krallen am Busdach. Bald folgten nächtliche Besuche am Lagerfeuer, Flüge zu den benachbarten Bäumen, und anderen interessanten Dingen.

Peshy jung Peshy fliegt

Während wir mit dem Jahmobil langsam durch den faszinierenden Norden Pakistans fuhren, beginnt Peshy seine ersten nächtlichen Streifzüge. Spät morgens, kehrt er müde und hungrig in das Jahmobil zurück.
Doch noch immer konnte er sich nicht selbst ernähren. Indem wir die Futterrationen verringerten, hofften wir Peshys natürlichen Jagdinstinkt wach zu rufen.
Die Methode funktionierte. Es wurde Zeit Peshy zu entmenschlichen.
Wegen dringend notwendiger Reparaturen am Jahmobil quartierten wir uns zwei Wochen in einem Guesthouse in Gilgit ein. Von dort sollte Peshy in die Freiheit starten.

Die Wüste

Er wählte die Weinlaube als sein neues Zuhause. Im Jahmobil war es ihm zu einsam geworden, denn auch wir waren in ein Zimmer des Hauses gezogen.
Nur noch selten boten wir ihm eine Mahlzeit an. Doch jeden Abend, wenn wir auf der Terrasse saßen kam er zu Besuch, landete auf unserer Schulter.
Bei einem dieser Anflüge auf die Terrasse berechnete Peshy seine Flugbahn falsch und klatschte gegen eine Fensterscheibe. Die Verletzung des rechten Flügels war nicht schwer, doch einige Tage lang, konnte er nicht fliegen, war wieder ganz auf unsere Hilfe angewiesen.
Unsere Zeit wurde knapp, wir mussten nach Peschawar zurück kehren, um unsere Weiterreise nach Afghanistan zu organisieren.

Peshy's Paradise

Kajum, der Vermieter des Hauses in Gilgit, in dem wir wohnten, gab uns das Versprechen, für Peshy zu sorgen, ihm Futter bereitzustellen, und ihn nicht in Gefangenschaft zu halten.
Peshy wurde in die Toilette beim Gartenhäuschen umquartiert, für uns ging's nach der schweren Verabschiedung und dem Versprechen wiederzukommen, weiter Richtung Afghanistan.

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