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Mashad bis zur Afghanische Grenze
Am Tag bevor wir Mashad in Richtung Afghanistan verlassen, befinden wir
uns in der Innenstadt, um dreißig Vögel zu kaufen,
denen wir heute die Freiheit schenken wollen. Dreißig
Vögel symbolisch für dreißig Tage in
Afghanistan. Schon Tage zuvor hatten wir uns auf die Suche nach den
Vögeln gemacht, einen Laden mit genügend Zebrafinken
gefunden, und gleich ein Pärchen „we two“
mitgenommen.
Diese amselähnlichen Vögel warten nun in Willis
ehemaligen Käfig auf den heutigen Tag ihrer Freilassung. Mit
einer zwitschernden Schachtel am Schoß fahren wir zum
Campingplatz zurück, dort bleibt gerade noch soviel
Zeit, um die Schachtel mit der Aufschrift „have a nice
life“ zu schmücken, bevor das Filmteam kommt, und
Djavad seine Kamera auf uns richtet. Dann öffnen Ewald und
Atreju die Schachtel, mit einem Schwung entflieht ein Schwarm kleiner
Vögel ihrem Gefängnis, doch einige bleiben
zurück, sind nicht mehr flugtauglich, weil sie nur die Enge
des Käfigs gewöhnt sind. Diesen Nachzüglern
verhelfen wir zur Freiheit, in dem wir sie auf die umstehenden
Bäume heben. Wir öffnen die
Käfigtür der zwei „we
two´s“ , dann bittet Ewald, Djavad seine
Kamera auf ihn zu richten.
Er stellt, den nun leeren Käfig auf den Asphalt und
sagt: „ Eigentlich sind wir gegen Zerstörung,
doch..“ Ewald springt auf den Käfig, das sich die
Gitterstäbe verbiegen, die kleine Tür herausbricht.
Er rutscht auf dem Metall aus, landet unsanft, lacht, und
erklärt: „ Wenn wir den Käfig
zurück lassen, wird sehr bald der glückliche Finder
einen Vogel darin einsperren.“
Der Abfahrtstag von Mashad gestaltet sich äußerst
hektisch. Nach eiligen Verabschiedungen bei unseren Freunden in der
Innenstadt, rasen wir mit einem Taxi zurück auf den
Campingplatz, um, filmisch festgehalten, unsere Habseeligkeiten zu
verstauen. Nach dem Wasser füllen, einem
Eintrag im neuangelegten Gästebuch des Campingplatzes, dem
letztem Händeschütteln und postieren für die
Familienalbumfotos, tuckern wir los Richtung Stadt, auf der Suche nach
einer Tankstelle, und wieder in die andere Richtung, auf der Suche nach
der richtigen Straße nach Farima, unserem heutigen Ziel.
Dabei ist das richtungsweisende, vor uns fahrende Auto der Filmcrew eine große Hilfe,
das ist aber nicht die einzige Veränderung die unsere Reisebegleiter mit sich bringen.
Dank des Dolmetschers können wir uns zum ersten Mal auf der
Reise mit jedermann unterhalten, ohne die ansonst sehr oft vorhandene
Sprachbarriere.
Die Crew führt uns an die schönsten Plätze
und Sehenswürdigkeiten, entlang der letzten 400 Kilometer
ihres Landes, und wir werden trotz der Kamera zu Freunden.
Durch sie nimmt aber auch das Interesse der Bevölkerung und
der Presse an uns und unserem Projekt deutlich zu.
So besuchen uns, in unserer letzten Nacht im Iran, bis vier Uhr
morgens, immer wieder Menschen, die von unserer Anwesenheit in den
Abendnachrichten erfahren haben.
Am nächsten Morgen begleitet unsere Gespann ein Motorradkonvoi
aus der Stadt, dessen Ausmaße ein derartiges Verkehrschaos
erzeugen, das es zu mehrmaligen Polizeieinsetzen kommt.
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