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Kinderheim Mashad


Kinderheim Mashad

Ob wir Lust hätten ein Heim für geistig und körperlich behinderte Kinder zu besuchen, fragt uns eines Tages Djamshid der Regisseur unseres Dokumentarfilmes. Er hält persönliche Kontakt dorthin, und besucht so oft es seine Zeit zulässt die Kinder dort. Auch einen Film hat Djamshid schon über das Heim gedreht.
So machen wir uns abends auf den Weg zu einem unscheinbaren, zweistöckigen Gebäude. Dort werden wir im Untersuchungszimmer vom stellvertretenden Leiter, dessen Bruder, der als einer der vielen freiwilligen Helfer hier arbeitet, und einer Pflegerin freundliche empfangen.

Vor über dreißig Jahren gründete der Vater der beiden jungen Männer dieses Heim, nachdem er Jahre in der staatlichen Behindertenbetreuung verbracht hatte. Zur Zeit können 50 Kinder, vom Säugling bis 14 Jahre hier untergebracht werden. „ Ich bitte sie, den Geruch zu entschuldigen, den kaum einer unserer Pfleglinge ist in der Lage Urin und Stuhl unter Kontrolle zu halten“, erklärt uns der stellvertretende Leiter,
bei Tee und Keksen. Aus dem Nebenraum, der durch eine Glastür von dem Untersuchungszimmer getrennt ist, dringen die Laute der Kinder, und eindeutige Boden-wisch Geräusche an unser Ohr. Es riecht nach frischem Desinfektionsmittel.

Nach der Teehöflichkeit führt man uns durch die Glastür zu den Kindern. In den sauberen Zimmern stehen viele, kleine Bettgefängnisse entlang den Wänden. In zwei kleinen Zimmern je zehn, in einem großen dreißig Betten. Nicht alle sind belegt. Bei vielen Betten sind nicht nur die Wände, sondern auch das Dach vergittert. In diesen Käfigen liegen oder kauern die Kinder, mit großen Augen, ihre Körper durch die Behinderung und den Muskelschwund entstellt.
Manche von ihnen sind an Händen und Füßen mit Stoffbändern ans Bett gefesselt. „Damit sie sich nicht selbst verletzen,“ wird uns diese Maßnahme erklärt. Als Fallbeispiel holen zwei Pflegerinnen einen etwa zwölfjährigen Jungen aus seinem Käfig, er muss uns seine völlig verkrüppelten und verbrannten Finger zeigen. Er erklärt, während er seine viel zu große Jogginghose am rutschen hindert, das er mit Feuer gespielt und seine Matratze in Brand gesetzt habe.

Es sei schlimm von ihm gewesen so etwas zu tun. Dann singt und tanzt uns der Vorzeigeschüler der Pflegerinnen etwas vor und gibt uns noch ein einfaches Gebet mit auf den Weg, durch die Käfigreihen der Kinder, denen wir beruhigende Worte sagen, den Kopf streicheln, oder deren Finger wir durch die Gitterstäbe berühren.
Bei deren kehligen „Mama?“, ich einen Stich in meinem Herzen spüre. In einem der letzten Betten, an dem wir vorbeikommen, liegt ein Kleinkind, das über eine Sonde ernährt wird, und dessen Erkrankung das Endstadium erreicht hat.

Bei ihm zeigt uns der stellvertretende Leiter die Tauglichkeit einer luftbefüllbaren Matratze, und lässt uns wissen, das es gerade an diesen Hilfsmittel, in seiner Institution fehlt. „Die staatliche Subventionierung reicht gerade für die ärztliche und bewegungstherapeutische Betreuung, die medikamentöse Versorgung und für ein Minimum an Personal, das die gegebene Arbeitanforderung nicht erfüllen kann.
Dabei helfen uns die freiwilligen Mitarbeiter, was sonst benötigt wird, müssen wir uns aus Spenden finanzieren,“ erklärt der junge Mann, der seinen Vater vertritt und selbst auch ein freiwilliger Helfer ist, im „wirklichen Leben“ ist er Architekt.
Die Kinder, die er hier betreut erreichen meist das 14 Lebensjahr nicht, für die wenigen die älter werden, gibt es ein Heim indem sie weiterbetreut werden. „Wir wollen durch Aufklärung über Inzest und Risikoschwangerschaften, dieses Leid verhindern, doch meist werden die Säuglinge einfach vor dem heiligen Schrein, oder vor unserem Heim abgelegt, so das kein Gespräch möglich ist“, erzählt der junge Mann weiter. „Wenn wir einmal im Jahr mit unseren Kindern einen Ausflug zum Imam Reza machen, sehen wir die Angst und Abscheu der Bevölkerung, und so leben die Kinder, ihre kurze Zeit hier, ohne Familie.“

Um ein wenig zu helfen, kommen 100 % des Reingewinns der iranischen Ausgabe unseres Reisebuches, dem Kinderheim in Mashad zu Gute.

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