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Die Reise


Graz 2001 Ewald Schwaiger
Am Faschingdienstag Februar 2001 ging´s los. Wir, Tatjana Zenz, Ewald Schwaiger (rechts außen) und das Jahmobil starteten mit dem Faschingsumzug in Graz unsere Fahrt über den Landweg nach Afghanistan.
Zu diesem Zeitpunkt war das Jahmobil bereits 27 Jahre alt, und hatte einige schwere Reparaturen hinter sich.
Zwei Tage verbrachten wir im Schneesturm bis wir die Fähre in Triest erreichten, die uns nach Griechenland brachte.

Das wir am schnellsten Weg durchquerten, nur mit einem Abstecher zu den Meteorklöstern.
Von Istanbul fuhren wir das schwarze Meer entlang bis in die Osttürkei - ins wilde Kurdistan.
Van See und den Gipfel des Ararat ließen wir hinter uns, um in den Iran zu gelangen.
Hier tauchten wir ein in die orientalische Andersartigkeit, dem fremden Flair der in den Baszare, Teehäuser, Bauwerken und den Menschen sichtbar wurde.

Iran 2001 Iran 2001 Iran 2001 Iran 2001 Iran 2001 Iran 2001 Iran 2001

Die Wüste


Lernten die Wüste kennen,
die uns weiter bis nach Quetta in Pakistan begleitete. Über die Berge gelangen wir nach Peshawar. Dort suchen wir ohne viel Hoffnung, bei der afghanische Botschaft, dem Talibanoffice um die Visa an. Wie im Land üblich umgab das Gebäude eine zwei Meter hohe Mauer.
Durch ein massives Eisentor, bewacht von bewaffneten Männern gelangten wir in Innere. Ein Garten, mit großen Bäumen wild bewachsen, umschloss zwei Gebäudekomplexe. Indem zuvorderst gelegenen erhielten wir Formulare um die Visa zu beantragen.
Die Wächter am Tor, und die Männer hinter der Glasscheibe, die den Schalterraum abtrennte, waren die ersten, uns so wild und unberechenbar beschriebenen Talibans, die wir auf unserer Reise bewusst sahen. Die mit uns Wartenden hingegen, schienen alles pakistanische Geschäftsleute zu sein, die es gewohnt waren, ständig die Grenzen zu wechseln.
Nachdem ausfüllen und einer langen Wartezeit wurden wir zum hinteren Gebäude geführt.
In einem düsteren, großen Raum, standen auf dicken Teppichen, den Wänden entlang gereihte Stühle. So entstanden zwei Bänke die vor einem massigen Schreibtisch endeten. Dahinter mit schwarzem Turban, dunklem langen Vollbart und schwarzer Tracht, saß der Botschafter und bat uns links von ihm Platz zu nehmen. Gegenüber von uns saßen drei Bittsteller, dies ließ sich leicht durch ihre Art, Fragen zu beantworten, erkennen.
Dann kamen wir an die Reihe, nach einer stundenlangen Befragung, erfuhren wir, das sich der Botschafter in vier bis sechs Wochen entscheiden wird.

Pakistan 2001 Pakistan 2001 Pakistan 2001 Pakistan 2001


Tags darauf befreiten wir im Baszar, nach schwerer Entscheidung ein Eulenjunges, um es groß zu ziehen und in die Freiheit zu entlassen. Peshy Pürzel, so nennen wir unseren neuen Reisebegleiter, fährt mit uns ein Monat lang den Karokorum Highway in Nordpakistan entlang, bis zur chinesischen Grenze. Entlang des KKHighways und abseits auf Jeepstrecken genossen wir die Schönheit der Landschaft und das bescheidene, zufriedene Leben der Menschen.

Pakistan 2001 Pakistan 2001 Pakistan 2001 Peshy Pürzel


Bevor wir nach Peshawar zurück kehrten, entließen wir Peshy in die Freiheit. Er lebt nun frei in Gilgit, wo er sich bei Bedarf Futter in Kajum's Garten holen kann.

Zurück in Peshawar geschieht fast ein Wunder. Wir dürfen ganz offiziell mit Sondergenehmigung für das Jahmobil 21 Tage lang durch das Taliban Regime beherrschte Afghanistan fahren.
Früh morgens verließen wir unser Hotel in Peshawar Richtung Kyperpaß - Afghanistan.
Am Abend zuvor hatten wir noch auf der Dachterrasse des Hotels 21 heimischen Vögeln die Freiheit geschenkt.
Doch schon nach einigen Kilometern müssen wir umkehren, das Gebiet bis zur afghanischen Grenze dürfen Ausländer nur mit Militärbegleitung befahren. Zu groß sei die Gefahr von Schmugglerbanden überfallen zu werden.
Gegen ein geringes Endgeld an die zuständige Behörde, beschützt uns bald ein bewaffneter Soldat. Der eingepfercht, auf dem Notbrett zwischen uns im Führerhaus sitzt, seine Waffe fest im Griff.
Er hilft uns auch mit den notwendigen Papieren an den Kontrollstationen, und bei der Ausreise aus Pakistan.
Dann ist es soweit, wir stehen vor dem geschlossenen Tor der afghanischen Grenze. Auf der anderen Seite eine Menschentraube, die nach Pakistan drängt, dazwischen schwer beladene Eselkarren.
Ganz vorne am Tor halten Männer mit langen Vollbärten, die Menschenmenge mit groben Stöcken unter Kontrolle, während sie uns das Tor öffnen. Kaum merklich rollen wir durch die Menschenmenge hinüber nach Afghanistan.
Das Land durchqueren wir auf der einzig "befahrbaren", mit Schlaglöchern übersäten Piste von Kabul über Kandahar nach Herat, nahe der iranischen Grenze.
Zaghaft, vorsichtig beäugen wir das fremde, uns als gefährlich beschriebene Land. Es scheint uns um vieles ärmer als Pakistan, doch auch hier sind die Menschen freundlich, freuen sich jemanden aus dem Westen zu sehen.
Vor und in Kabul haben wir den Eindruck, Afghanistan befindet sich im Wiederaufbau, beginnt sich ein wenig zu öffnen. Denn obwohl ich nur ein Haar, Schulter und Brust verdeckendes Tuch trage, anstelle der für Frauen vorgeschriebenen Bourka, werden wir nur einmal aus einem Straßenlokal vertrieben.
Wir fühlen uns wohl in Kabul, streifen ungehindert durch die Stadt und erhalten bald die ersten Einladungen zum Tee. Seit zwei Wochen leide ich an starkem Durchfall und heftigen Bauchschmerzen, ich kann keine Nahrung mehr bei mir behalten. In Kabul beginne ich mich langsam zu erholen, doch wir können nicht länger bleiben, die Kosten für das Hotel übersteigen unser Reisebudget, und unser Visa ist nur begrenzt. So geht es über schlechte Pisten weiter nach Kandahar, vor dieser Talibanhochburg wurden wir bereits in Pakistan gewarnt. Doch wir hoffen hier ein billiges Quartier zu finden, um mich weiter auszukurieren zu können.
Wir hätten auf die Warnung unserer Freunde hören sollen. Nachdem wir durch unser Erscheinen in der Stadt eine gigantische Menschenmenge um das Jahmobil versammelt hatte, wollten die Talibans uns verhaften. Der Grund dafür klärte sich nie ganz, doch unsere Rettung haben wir einem jungen Mediziner zu verdanken, der uns zur Flucht verhilft.
Wir schafften es bis nach Herat zu gelangen.
Die Menschen dieser Stadt bestärken uns wieder in den positiven Erlebnissen der Reise, in der moslemischen Gast- und Hilfsbereitschaft die wir vielerorts erfahren durften.

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Bettlerjunge

Sie ließen uns aber nicht die Not vergessen, die wir sahen.


Wir kehrten wohlbehalten, um viele Erfahrungen reicher nach sechs Monaten wieder nach Hause zurück.



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