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20.Juli - 4. September | Iran
Route: Rusht – Now Shahr – Bandar Torkaman – Gombad e kavus – Shahrud – Mayamey – Sabzevar – Sultanabad – Neyshabur – Mashad
In einem, ein wenig außerhalb des Zentrums gelegenen Park, empfing uns die Stadt Rusht, mit der Aufforderung, diese möglichst schnell wieder zu verlassen. Schon beim Einparken versammelte sich eine beeindruckende Menschenmenge um Fergy, für die heraneilenden Parkwächter bedeutete, ein bunter Traktor mit der Aufschrift Afghanistan, nahendes Unheil, so machten sie uns in Farsi unmissverständlich klar, das wir verschwinden sollen. Weder unsere Versicherung, das wir aus Österreich stammen, noch der
Zeitungsbericht konnten sie umstimmen.
Als wir uns weigerten, den Park zu verlassen, kam die Polizei, und
anstelle einer Pass- und Visakontrolle wiederholten sie die
Aufforderung der Parkwächter. Wir aber ließen uns nicht vertreiben, sondern machten uns auf
den Weg ins Zentrum, um ein schnelles Internetcafe zu finden. Die Suche
war erfolgreich, doch als wir zu unserem Gespann zurück kehrten, waren wir entsetzt.
Die Masse hatte unsere Sessel zerstört, die
Türschnalle des Wohnwagens abgerissen, ein Rücklicht
herunter geschnitten, das andere hing noch lose am Kabel. Wieder kam die Polizei, diesmal hatten wir Glück, und ein deutsch sprechender Iraner übersetzte. Somit wurden nicht wir
verjagt, sondern die Masse mit Schlagstöcken zurück
gedrängt. Drei Polizisten fanden in dieser Nacht und am darauf
folgendem Tag eine Dauerbeschäftigung darin, uns einen Meter
Luft, um das Gespann zu verschaffen, während ich auf
Hochtouren am Computer arbeitete und Ewald sich bemühte einen
passenden Ersatzreifen für unseren altersschwachen,
porösen, jetzt montierten Reservereifen zu finden.
Kurz vor Einbruch der Nacht verließen wir Rusht,
nächtigten direkt neben der stark befahrenen, vierspurigen
Ausfahrtsstraße, doch alles war besser als in dieser Stadt zu
bleiben.
Nun gingen wir daran, uns einen ruhigen Platz am kaspischen Meer zu
suchen, um einen Badeurlaub zu genießen. Wir fanden das Meer
nicht, dafür jede Menge Sand, indem sich Fergy gleich eingrub.
Der Platz bot auch die erhoffte Ruhe, in den Tagen in denen wir Sand unter den Reifen wegschaufelten, schoben, schwitzten und verzweifelt versuchten unser Gespann zu befreien, kam kein Mensch vorbei, dafür besuchten uns Massen an Moskitos.
Völlig zerstochen suchten wir weiter nach unserem
erträumten, idyllischen Meerplatz, den wir in einem
saisonbedingt, fast verlassenen Fischerdorf nahe Qesel Shomali, am
letzten Zipfel der Landzunge fanden.
Wieder vergrub sich Fergy aufgrund des zu tief liegenden
Anhängers im Sand, für uns war’s bereits
Routine, nur die anwesenden Badegäste waren besorgt und
wollten uns sofort helfen. Wir lehnten dankend ab, anstelle der
schweißtreibenden Ausgrabungsarbeit stürzten wir uns
ins Badewannen warme kaspische Meer.
Obwohl ich wegen der iranischen Bekleidungsvorschrift in Vollbekleidung
samt Kopftuch planschen musste, genossen wir die Tage, in denen wir mit
einer solchen Flut Melonen beschenkt wurden, das unsere Nahrung
hauptsächlich aus diesen Früchten bestand. Leider
besiedelten auch Moskitoschwärme dieses Gebiet und
letztendlich vertrieben uns, diese Insekten aus dem idyllischen
Fischerdorf ohne Krämerladen und Strom, denn unsere zahlreich
mitgeführten Moskitomittel gingen zur Neige.
Damit war unser Badeurlaub jedoch noch nicht beendet. Der Zufall, wir
erwischten wohl an einer Abzweigung die falsche Straße,
brachte uns ins Strandbad von Bandar Turkaman.
Hier gab’s nun alles, was unseren Urlaub zum Genuss machte.
Ein, von freundlichen Militärs bewachtes, großes
Areal, mit Kinderspielplatz, Krämerladen und
Kebabfreiluftrestaurant, eine Erste Hilfe Station, Toiletten,
Trinkwasser, grob gezimmerte Picknickpavillons mit Plastik bespanntem
Dach und, über einen langen, wackeligen Holzsteg zu erreichen,
für Männlein und Weiblein, weit getrennt von einander
liegende Schwimmabteile, so durfte ich im Meer nur mit Badeanzug
bekleidet schwimmen.
Kleiner Wehmutstropfen, es gab keinen Sand und keine Duschen.
Wir entschlossen uns sehr schnell, hier das erste Haus auf
unserer Reise, einen Strandpavillon zu beziehen, um noch ein oder zwei
Nächte am Meer zu verbringen.
Es wurden zwölf Tage daraus, in denen sich Freundschaften
entwickelten, durch die wir ein Pferderennen aus der VIP Loge erlebten,
wir an Farzads Computer tagelang arbeiten durften und uns
Jalil, nachdem uns mitten im Kochen das Gas ausgegangen war, immer
herzlich auf Kosten des Hauses in sein Strandrestaurant zum Essen lud.
Nach dieser Ruhezeit bei den gastfreundlichen Turkman People, bei denen
wir so lange es unsere leider beschränkte Reisezeit
zuließ blieben, geben wir Vollgas Richtung Mashad.
Nur in Gombad e kavus machen wir kurz Halt, um die Sehenswürdigkeit, einen Turm zu besichtigen.
Die Straße die wir für unseren weiteren
Streckenverlauf, nahe der Grenze wählen, ist wegen einer
Flutkatastrophe in der 18 Menschen starben, und der danach
ausbrechenden Seuche im angrenzenden Gebiet, gesperrt. So
müssen wir zurück auf die Hauptpiste, wo sich der
gesamte Verkehr, zwischen Mashad und Teheran durch die Wüste
bewegt.
Der Umweg beträgt 150 Kilometer, doch die Straße ist
zweispurig, und bietet einen Pannenstreifen für Fergy, wir
kommen gut voran.
Entlang der Strecke werden wir wiederholte Male gewarnt, nicht in der
Wüste zu nächtigen, uns immer einen Platz in den,
für Traktorgeschwindigkeit sehr spärlich vorhandenen
Städten zu suchen.
So kommts, das es zu dämmern begann, und wir keinen
Schlafplatz fanden. Ewald gab Vollgas, denn irgendwann mussten wir doch
endlich, die auf unserer Karte verzeichnete Stadt erreichen.
Es wurde vollends Dunkel, Lkw und Busse donnerten an unserem
unbeleuchteten Gespann vorbei. Nach der Zerstörung in Rusht
hatten wir uns nicht auf die Suche nach neuen, passenden
Rücklichtern für den Wohnwagen und einer Werkstatt
gemacht, denn wir waren überzeugt, das wir nie eine Nachtfahrt
wagen würden.
So stellten wir vorerst das Pannendreieck ins Rückfenster uns
hofften, nach der nächsten Kurve, oder vielleicht hinter der
nächsten Kuppe, auf eine Ansiedlung zu treffen.
Vergebens, zusätzlich zu unserer fehlenden
Rückbeleuchtung, bestrahlte auch Fergy die Fahrbahn nur mit
einem Scheinwerfer, und die Straße wurde einspurig, kein
Platz mehr, um mit dem Gespann auf dem Pannenstreifen zu
fahren
An einer Ausweichstelle, deren nähere Umgebung als Toilette
benutzt wurde, stoppte Ewald, um zu beraten. Wir kamen zum Schluss, das
eine Weiterfahrt um vieles riskanter ist, als hier zu
übernachten und schlüpften in unsere Betten.
Während ich einen leichten Schlaf genoss, erdachte sich Ewald
mögliche Verteidigungssysteme, und kam zu dem Ergebnis, das
wir als einzige „Waffe“ unsere Dose Insektenspray
mitführen, die als Flammwerfer benutzt, zumindest den ersten
Angreifer in die Flucht schlägt.
Zum Glück mussten wir davon keinen Gebrauch machen, bis auf
einige bange Minuten, in denen Männerstimmen direkt neben dem
Gespann zu vernehmen waren, verlief die Nacht ruhig.
Es folgte ein weiterer Fahrtag, vor Mashad wies uns ein Schild darauf
hin, das wir nun zwischen der alten und der neuen Straße
wählen können, die neue war als Autobahn
ausgezeichnet und an einer Mautstelle wurde kassiert. Uns reizte, die
Möglichkeit, hier mit Fergy auf einer Autobahn zu fahren und
wir wagten den Versuch. Der Mann im Mauthaus und die daneben stehenden
Polizisten, waren zwar erstaunt, hier einen Traktor zu erblicken, doch
wir wurden durch gewunken, ohne Maut zu bezahlen, oder von der Polizei
gestoppt zu werden. Für Einheimische undenkbar, war es uns
Touristen hier erlaubt.
Trotz Autobahn fuhr Fergy nicht schneller, und es wurde wieder dunkel,
bevor wir den Truckterminal erreichten, an dem wir freundlich
aufgenommen wurden, für die Nacht.
Am späten Vormittag machten wir uns auf den Weg ins Zentrum
von Mashad, wir hielten einen Zettel mit persischen Schriftzeichen in
der Hand, auf dem der Name eines Campingplatz geschrieben war, und
erhielten die Information, das es nicht erlaubt ist, am Tag in die
Stadt zu fahren.
Wieder war es für uns Touristen kein Problem, wir erreichten
den Campingplatz, parkten unter viel Aufsehen ein, und erkundeten die
Stadt, besuchten den heiligen Schrein. Das Grabmal von Imam Reza, wegen
diesem jährlich Millionen von Pilgern nach Mashad kommen.
Das Bauwerk ist wirklich beeindruckend, doch leider durften wir innen
nicht fotografieren, diesmal gab’s auch für uns
keine Ausnahmen.
Im Teppichbasar lernten wir Hadsch Abbas kennen, und zum Abendessen den
Rest seiner großen, überaus freundlichen Familie.
Mit ihnen verbringen wir unsere Tage in Mashad und mit einem iranischen
Fernsehteam, das über uns und unser Projekt einen
Dokumentarfilm dreht.
Das Team wird uns bis zur afghanischen Grenze begleiten, und uns dann
noch einmal in Herat besuchen, wenn Traktor und Wohnwagen
übergeben werden.
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