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18. Juli | Nord-Iran
Route: Tabriz – Bostanabad – Miyaneh –
Khalkhal – Hashtpar – Fuman – Masouleh
Von Tabriz fahren wir die Hauptverkehrsroute entlang. Halten in
Bostanabad um kurz das Badevergnügen im modern angelegten
Thermalbad, mit Sprudelbecken, Dampfbad und Sauna zu genießen.
Weiter geht’s im Höllenverkehr bis Miyaneh, wo wir
auf ruhige Nebenstraßen ausweichen. Die Straße nach
Khalkhal führt uns über Gebirgspässe mit
idyllischen Dörfern, in denen gerade Weber ihre
Sommerquartiere in Plastik bespannten Tunnelgebäuden beziehen.
Mitten durch die Einsamkeit der Bergwälder folgen wir der
Straße, als es im Wohnwagen plötzlich kracht und
rumpelt. Ich übertöne mit meinem Stopgeschrei den
Fergymotor und Ewald bleibt stehen.
Der linke Reifen der Anhängers ist geplatzt.
Ewald stellt das Pannendreieck auf, und da wir weder Wagenheber noch
Radkreuz mit uns führen, bleibt uns nichts anderes
übrig als auf Hilfe zu warten. Bereits das dritte Auto, ein
grüner Jeep, hält , zwei Männer steigen aus,
fragen ob sie uns behilflich sein dürfen. So wechselt der
Forstbeauftragte der Region den Anhänger Reifen und
lädt uns nach erfolgreich verrichteter Arbeit noch auf Tee und
Suppe in eine nahegelegene Raststation ein. Dort erst
erkennen wir, das der Reservereifenmantel schon bedenklich
porös ist. „Wie weit kann man wohl mit so einem
Reifen noch fahren?“, überlegt Ewald und,
„ werden wir die benötigte Dimension wohl
bekommen?“
So suchen wir in der Hitze der Küstenregion des kaspischen
Meeres einen passenden Ersatz, doch Ewalds Befürchtungen
treffen ein, kein Reifenhändler hat die Dimension lagernd.
Vielleicht haben wir in Rasht, der größten Stadt der
Region mit einer Million Einwohner mehr Erfolg, und hoffentlich
hält der Reifen bis dahin.
Doch zuvor wollen wir ans Meer. Ewige Umwege auf holprigen
Schotterpisten später, nachdem uns ein einheimischer
Autofahrer auf den richtigen Weg begleitet, finden wir den ersehnten
Sandstrand und das Meer. Ewald will über Fergys
Geländetauglichkeit genau bescheid wissen, und lenkt das
Gespann in den Sand. Der Traktor gräbt sich bis zur
Wohnwagendeichsel ein. Sofort eilen Männer herbei, wollen uns
helfen, wir lehnen dankend ab, wollen nach der langen Fahrt und den
Schwierigkeiten mit dem Reifen, nur noch essen und schlafen, vielleicht
noch das Meeresrauschen genießen. Alles weitere morgen.
Das Genießen, vermiesen uns Moskitoschwärme.
Tags darauf kommt Fergys großer Bruder, ein 285ziger mit
Vierradantrieb und zieht unser Gespann mühelos aus dem Sand
auf sicheren Boden.
Eigentlich müssten wir uns um den Reservereifen
kümmern, doch da uns der Großstadtdschungel nicht
behagt, besuchen wir noch das, uns als sehenswert beschriebene
Gebirgsdorf Masouleh. Hier sind die Häuser
stufenförmig in die Steilwand des Berges gebaut. Das Dach des
unteren Hauses bildet die Terrasse und Teile des Fußbodens
des darüber stehenden. Zwischen den Gebäuden
fließen, in einem Labyrinth von Abzweigungen, kleine
Gebirgsbächen gleich, schmale Fußpfade.
Über Treppen aus rundem, faustgroßen Flussgestein,
führt uns ein Weg hinauf zu dem sich über vier Etagen
erstreckenden Baszar.
Außer uns sind an diesem Freitag noch an die tausend
iranische Touristen auf einen Ausflug nach Masouleh gekommen, um zu
picknicken, zu wandern, oder um einfach das angenehme Klima zu
genießen, denn in Teheran hat es 45 Grad Celsius.
Da uns das Dorf und die Landschaft gefallen, suchen wir uns einen
Platz, ein wenig abseits der Touristenströme, die uns
und unser Gespann als Zusatzattraktion von Masouleh gleich
mitbesichtigen, fotografieren und filmen.
Das Wetter unterstützt unseren Wunsch nach Ruhe und
hüllt die Berge in Nebel und leichten Nieselregen. Trotz des
feuchten Wetters kommen immer wieder Besucher den steilen, matschigen
Weg zu uns herauf, und auch wir gehen regelmäßig in
das Dorf am gegenüberliegenden Berghang um Besorgungen zu
machen und auf einen Tratsch im Teehaus, oder am Dach eines Hauses, das
hier als Terrasse genutzt wird.
So rieseln zehn Tabe ruhigem Nichtstun in unserer Reisesanduhr dahin,
in denen wir viele schöne Begegnungen erleben und ein bisschen
mehr über den Iran und seine Menschen erfahren
dürfen.
Doch wir müssen weiter, ein wenig drängt die Zeit.
Diese Situation führt zu einem nächtlichen
Gespräch am Lagerfeuer, über den Traum einer Reise
ohne Angabe eines Rückkehrdatums. Ein ander Mal –
für diesmal geht’s weiter nach Fuman, auf den
sehenswerten Wochenmarkt und zur Ruine Roadkhan Castle.
Von dort rasch in die Millionenstadt Rusht um die neuesten Reisenews
und Bilder per Internet zu verschicken und um einen passenden Reifen
für den Wohnwagen zu finden.
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