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20.Juni – 13.Juli | Willi Maus
Tabriz 20. Juni Geflügelbaszar:
Federvieh lebend oder bereits gerupft, vom Küken bis zum
ausgewachsenen Truthahn gibt es hier. Manche der Tiere laufen frei in
den Geschäften zwischen den viel zu kleinen Käfigen
ihrer Artgenossen herum.
Über dem Kükengehege neben der Eingangstür
des Ladens hängt ein Vogelkäfig, darin sitzen Hasen,
fast übereinander, so eng ist der Platz bemessen.
Bei diesem Anblick schmerzt wohl jedem Tierfreund das Herz, und der
erste Gedanke ist: „Gleich alle, samt den
traurigen, halbwüchsigen Gänsen, die in einem Karton
gelagert sind, mitzunehmen.“ Wir können jedoch nicht
den gesamten Geflügelfleischmarkt freikaufen, und so darf nur
Willi Maus mit nach haus, in unseren Wohnwagen.
Atreju ist von dem schwarzweißen Hasenbaby begeistert, er hat Willi ausgesucht und ihm den Namen gegeben.
Zum ersten Mal in seinem Leben hoppelt Willi frei am Rasen
des El Goli Parks, er findet Happy und ihr Schutz bietendes Fellkleid.
Gleich beginnt der kleine Hase bei Happy nach Milch zu suchen. Happy
ist geduldig gegenüber dem neuen Hausgenossen und verpasst dem
Hasen eine Fellpflege.
Willi, der Wohnwagenhase reist während der Fahrt in seinem
geschlossenen Vogelkäfig, gegen die Langeweile lässt
er sich mit Karotten, Salat oder Klee verwöhnen, andere
Gemüseabfälle frisst er nur in Notzeiten.
Jede unserer Pausen verbringt Willi außerhalb seines
Käfigs, manchmal nur im Wohnwagen Innenraum, doch wenn sich
die Möglichkeit bietet, springt er am liebsten
draußen herum, und hält ein Schläfchen
geschützt in der Höhle, die das große
Profil des Traktorhinterreifens für ihn bietet.
Anfangs mussten wir Atreju bei seinem Spiel mit Willi bremsen,
„Ein Baby braucht Ruhe und Schlaf, nur sanft
streicheln.“
Aber Willi wächst schnell, und macht
seinen ersten richtigen Sprung auf Atejus Bett, lässt sich von
ihm in Autos, Schüsseln und den Sandkübel setzten und
herumtragen. Nicht etwa das Willi diese Behandlung missfällt,
er bleibt still bei Atreju liegen und wartet auf seinen
nächsten Einfall.
Ein Gedanke trübt unsere Freude am neuen Wohnwagengenossen,
und es ist nicht der Gedanke an Hasenkot und Bissspuren, sondern, das
wir für Willi ein Heim finden müssen, eines indem er
frei sein kann und gekuschelt wird. In Momenten, in denen Willi
besonders relaxt liegend, die Hinterbeine von sich streckt, denken wir
auch daran, ihn vielleicht als Handgepäck nach
Österreich mit zu nehmen.
Nachdem Willi uns von Tabriz – Kalaiba – Abesh Amed
– Tabriz – Bostanabad – Khalkhal
– Hashtpar – Fuman nach Masouleh begleitet hat,
entdeckt Willi hier seine Vorliebe für Süßes, und beginnt das Futter der Menschen zu testen.
Masouleh 13. Juli:
Willi ist verschwunden, ich bemerke es kurz nachdem Ewald mit Atreju in
das Dorf aufgebrochen ist, und beginne zu suchen. Ich zerlege unser
Bett in der Hoffnung das Willi sich darunter versteckt hat, den er
springt schon fröhlich die Wohnwagentür aus und ein.
Ich erklimme einige Steilhänge, nur weil sich oben ein Plastik
im Wind bewegt, und es für mich, in meiner Hoffnung, von unten
so aussieht, als säße Willi dort.
Ich habe die Suche bereits aufgegeben, als meine Familie
zurück kommt. Traurige Nachricht – trübe
Stimmung.
Atreju ist überzeugt davon, das Willi wieder auftaucht, Ewald
nimmt an, das in Besucher mitgenommen haben und ihn nun gut verpflegen.
Ich hoffe ihn da draußen, unter der Weite der
Gebirgskräuter, gut versteckt vor den vielen Feinden eines
Hasen.
Masouleh 15. Juli:
Uns wird berichtet das Willi, ein kleiner schwarz-weißer
Hase, von einer Familie die in unsere Nähe picknickte, am
Vorabend gesehen wurde.
Ich rufe ein stilles „Leb wohl und halt die Ohren steif“ in die Landschaft.
In unbeobachtet Momenten aber, rufe ich laut
„Willi, Willi“, in der Hoffnung den Kleinen noch
einmal zu sehen, um Lebwohl sagen zu können, um zu wissen, das
es ihm gut geht.
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