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19. - 29. Mai | Parasit GAP
Mitten in der Nacht in Diyarbakir begann Atreju zu brechen und
gleichzeitig kam der Durchfall. Ich versorgte ihn mit der
mitgeführten Medizin, doch am Morgen gab es noch keine
Besserung, so ging ich zur nächsten Apotheke um die Symptome
zu beschreiben und geeignetere Arznei zu holen. Zwei Ärzte
waren anwesend und begleiteten mich sofort zum Wohnwagen um Atreju zu
untersuchen. Sie diagnostizierten eine leichte Magenverstimmung,
beruhigten uns, verschrieben ein Schmerzmittel für Kinder und
Aufbaumilch für den Darm. Beruhigt, das es sich nicht um eine
Blindarmentzündung handelt, fuhren wir weiter, bis auch bei
Ewald der Durchfall begann.
Wir waren überzeugt alles mit einer Diät
wieder in den Griff zu kriegen, und es wurde tatsächlich
besser.
Atreju spielte wieder übermütig im Schnee als wir von
Tatvan am Vansee auf den zweiten Nemrut Dagi der Türkei hinauf
fuhren. Am Gratersee angekommen wurden wir von den Familien die hier
zum picknicken hergekommen waren belagert , befragt und fotographiert.
Der Sonnenstand und die Schönheit der Landschaft lies uns
entscheiden, das wir die Nacht hier oben verbringen wollen.
Nachdem sich auch die letzten Menschen von uns verabschiedet hatten,
bekam Atreju einen Rückfall. Er erbrach Unmengen und sein
Stuhl war nur noch Wasser. Was sollten wir tun, ich verfiel in Panik,
Ewald wollte eine Nachtfahrt bei Vollmondschein wagen, doch dann
gestand uns Atreju, das er heimlich ein gegrilltes Stück Huhn
gesessen hatte, das er von einer der Familien bekommen hatte.
Somit war klar warum es zum Rückfall gekommen war.
Nach einer unruhigen Nacht brachen wir am nächsten Morgen auf
Richtung Spital, doch Atreju hatte sich wieder erholt, so quartierten
wir uns zur Reinigung unserer Körper und der gesamten
Wäsche die verunreinigt war in einem Hotel ein. Ich erledigte
noch alle Arbeiten, während sich Atreju und Ewald in den
Hotelbetten erholten, bis ich zusammenbrach. Jetzt hatte es mich
erwischt.
Somit begann der nächste Tag im Spital von Tatvan. Es wurde
Blut, Urin und Stuhl getestet – Ergebnis: Parasit Giardia
GAP.
Wir erhielten Rezepte für Antibiotika, Schmerzmittel,
Durchfall- und Erbrechen Stopper für Erwachsene und Kinder. Zu
meiner und Atrejus Freude sagte der Arzt, das wir alles essen
dürften, endlich würden wir die Reis-Joghurt-Bananen
Diät von Ewald los werden.
Somit fehlte uns nur noch der geeignete Platz um uns von den Strapazen
zu erholen. Leider fanden wir diesen nicht am selben Tag und
nächtigten an einer ungewöhnlichen Raststation, die
aus einer Moschee und einer Toilette bestand. Wir bezogen genau
zwischen den Gebäuden Platz, das war auch gut so, denn um ein
Uhr raste ich zur Toilette. Mein Stuhl bestand nur noch aus Wasser. Um
fünf Uhr war ich so schwach, das ich nur noch bat, Ewald solle
mich in die nahe gelegene Stadt zu einem Arzt bringen. Er war
dafür nach Tatvan zurück ins Krankenhaus zu fahren,
doch ich fühlte mich nicht stark genug, um die sechzig
Kilometer dorthin zu überstehen. Lieber gleich einen Arzt und
falls es nötig sein sollte, wollte ich mich mit der Rettung
zurück ins Spital bringen lassen.
In Adilcevas waren schon einige Menschen zu dieser frühen
Stunde unterwegs und wiesen uns den Weg zum Arzt, der sich bald als
Krankenhaus herausstellte. Dort wurde ich nach einigen
Verständigungsschwierigkeiten mit einer Infusion versorgt.
Zum Schichtwechsel kam ein junger Arzt mit guten Englischkenntnissen.
Er erklärte uns, das ich nichts beunruhigendes habe, nur das
ich einfach schwach bin, und verabreichte mir die nächste
Infusion. Er bot uns an, das wir alle in dem Dreibettzimmer im Spital
nächtigen könnten, doch Ewald und Atreju zogen den
Wohnwagen vor. Am nächsten Morgen, nach der letzten Infusion
fühlte ich mich besser und wir bezogen Quartier im Hotel.
In
diesem befand sich auch ein Filmteam aus Istanbul, sie drehten den Film
Umuda yolculuk (Happy ways), indem wir sofort in eine Szene eingebaut
wurden. Der Komiker des Films, in der Türkei eine
Berühmtheit, bestaunte den Traktor, erschrak
fürchterlich vor unserer Kühlerfigur, dem Eselkopf
und fragte Ewald nach einer Adresse. Dreimal mussten wir die Szene
spielen, dann klappte es, der Direktor war zufrieden. So brachte uns
der Parasit zum Film, mit der Ruhe wars damit endgültig vorbei.
Nach unserer Genesung übersiedelten wir wieder in den
Wohnwagen für den wir nahe der alten Moschee einen
schönen Platz gefunden hatten. Dort besuchte uns der Doc aus
dem Spital mit seinen Freunden zum Grillen. Er brachte
Hühnerteile in Öl und scharfer Chillisouce, wir
scherzten, wenn wir dieses Essen überstehen sind wir gesund,
und so war es auch, Durchfall und Erbrechen blieben aus.
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